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Psychische Belastungen Lindern

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Der Polizeiberuf ist mit außer-gewöhnlichen Belastungen verbunden. Um mit den psychischen Folgen besser fertig zu werden, gibt es interne Konfliktberater. Thomas Klepsch gehört seit Juni zu diesem Team.

CLAUDIA BURST

Geislingen Plötzlicher Kindstod, Ursache nicht hundertprozentig geklärt. Die Polizei kommt, erlebt die Verzweiflung der Eltern, sieht den Vater mit dem toten Baby im Arm Solch eine Situation hat Polizeihauptmeister Thomas Klepsch selbst einmal miterlebt, und er hat lange gebraucht, um darüber hinweg zu kommen. Vermutlich nicht zuletzt deshalb, weil sein eigenes Baby zu der Zeit gerade mal ein Jahr alt war.

"Solche beziehungsweise andere, aber ähnlich belastende Situationen kommen im Polizeidienst - ähnlich wie bei der Feuerwehr oder den Rettungssanitätern - relativ häufig vor", berichtet der 44-jährige Polizist. Und er weiß, dass jeder seiner Kollegen anders mit solchen schrecklichen Erlebnissen umgeht. "Der eine kann nicht mehr abschalten, der andere ist ständig gereizt. Wo der eine redet, landet der nächste in Depressionen."

Um schlimme psychische Folgen möglichst rechtzeitig durch Gespräche abzufangen, gibt es in Baden-Württemberg seit etwa zehn Jahren die internen Konfliktberater.

Seit Juni zählt Thomas Klepsch zum vierköpfigen Team innerhalb der Polizeidirektion Göppingen, zu dem das Geislinger Revier gehört. In seinem insgesamt fünfwöchigen Lehrgang an der Akademie der Polizei in Freiburg lernte er Beratungsgespräche zu führen, Konflikte unter Kollegen zu schlichten und vor allem bei Krisen rechtzeitig zu intervenieren.

Dabei ist diese Aufgabe nicht auf den Göppinger Dienstbezirk beschränkt, sondern kann auf alle angrenzenden Dienststellen ausgedehnt werden.

Vor allem aber versucht er, posttraumatische Störungen bei Polizisten im eigenen Bezirk zu erkennen, bevor diese Folgen zeigen. Dazu setzt er sich mit den Kollegen in Kontakt, bei denen die täglichen Berichte starke Belastungen vermuten lassen. "Dann muss man oft zwischen den Zeilen lesen", versucht der Polizeihauptmeister sein Vorgehen zu beschreiben, "echtes Interesse zeigen, ein guter Zuhörer sein und häufig Schlüsse aus dem Ungesagten ziehen."

Dem zweifachen Familienvater kommt bei seiner verantwortungsvollen Aufgabe sehr zugute, dass er sich - parallel zu seinem Polizeidienst - per Fernstudium zum Pastor hat ausbilden lassen. Dazu wurde er erst kürzlich, am 3. Oktober, in der Volksmission Geislingen ordiniert. Die beiden Ausbildungen, meint er, haben einander bereichert und ergänzt.

"Schon immer hatte ich ein Herz für hilfsbedürftige Menschen", versucht Thomas Klepsch seine Motivation für diesen Schritt zu begründen. Schon bevor er zum Glauben gefunden habe, habe er älteren Menschen in der Nachbarschaft gern geholfen. 1995 entschied er sich, gemeinsam mit seiner Frau Andrea, psychisch kranken Menschen eine Heimat zu geben. Deshalb gründete das Paar mit Pastor Bernhard Röckle das Sozialwerk Aichen e.V., in dessen Rahmen das "Haus Aichen" zur sozialen Anlaufstelle und Rettung für viele sonst vielleicht Gestrandete wurde.

Erst 2001 zogen die beiden aus der dortigen Wohnung aus, um wieder mehr Zeit füreinander zu haben. Nach wie vor sind sie jedoch mit dem Werk eng verbunden.

Erst vor vier Jahren nahm Klepsch, inzwischen Vater zweier kleiner Kinder, sein Studium nach einer mehrjährigen Pause wieder auf und beendete es mit seiner Ordinationsarbeit "Der soziale Auftrag der Gemeinde Jesu".

Vermutlich weil Polizeihauptkommissar Jürgen Mörixbauer, vor acht Jahren der erste Konfliktberater in der Polizeidirektion Göppingen und bis heute dabei, von dem außergewöhnlichen Nebenstudium seines Geislinger Kollegen erfahren hatte, schlug er diesem die Aufgabe als Konfliktberater vor.

"Mir selbst hilft mein Glaube sehr viel, wenn es Belastendes zu verarbeiten gibt", erklärt der "Mann in Grün", "mir ist jedoch klar, dass nicht jeder den gleichen Zugang hat. Jedem Kollegen muss individuell geholfen werden."

Für die rund 150 Konfliktberater in Baden-Württemberg gibt es ebenfalls Menschen, die sich wiederum um sie kümmern: die sogenannten Supervisoren. Das sind Polizeipsychologen, die den guten Austausch unter den Kollegen bei den regelmäßigen Fortbildungen fördern, Feedback geben und jederzeit ansprechbar sind. Bei größeren Fällen, wie zum Beispiel dem Mord an der Polizistin in Heilbronn, werden "Kriseninterventionsteams" gebildet, die aus Polizeipsychologen, Polizeiseelsorgern, Konfliktberatern und dem polizeiärztlichen Dienst bestehen.

"Man denkt nicht mehr in den starren Grenzen einzelner Institutionen. Die Polizei ist offener und vernetzter, das empfinde ich als sehr positiv", resümiert Thomas Klepsch.

Er selbst erholt sich am liebsten bei seiner Familie. Fußballspielen mit Söhnchen Hannes, Kaffeetrinken mit seiner Frau, dazu die kleine Paulin auf dem Schoß. Oder Rad fahren, Gitarre spielen und Lieder komponieren. Und aufpassen, dass sein "Hilfssyndrom" nicht die gesamte private Zeit vereinnahmt.

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Page last modified on August 29, 2010, at 12:54 AM
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