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Junger Chinese macht bei der Volksmission eine Ausbildung zum Pastor
Gottes Wege sind unergründlich

Isaak Liu!'
Lebensgefährliche Flucht mitten durch Kriegsgebiet - Christ aus Überzeugung
Isaac Liu ist Christ aus Überzeugung. Dafür musste der junge Chinese, der jetzt bei der Volksmission ein Praktikum absolviert, schon viel durchmachen. FOTO: cb
Isaac Liu macht bei der Volksmission in Geislingen eine Ausbildung zum Pastor. Bevor es soweit kam, hat der 23-jährige Chinese Verfolgung aus Glaubensgründen, Flucht, Krieg und Wunder erlebt. Heute ist er überzeugt, dass Gott selbst ihn diesen Weg geführt hat.
CLAUDIA BURST
Das Buch "Heavenly Man", im christlichen Buchhandel ein Bestseller mit über 800 000 verkauften Exemplaren und übersetzt in 33 Sprachen, beschreibt die Wunder und Erfahrungen und Qualen, die "Bruder Yun" in China als überzeugter Christ und Leiter der verbotenen Hauskirchen-Gemeinde durchmachen musste.
Der Sohn dieses charismatischen Verkündigers - Bruder Yun verbrachte fast zehn Jahre seines Lebens im Gefängnis mit extremer Folter - macht seit März dieses Jahres ein Praktikum bei der Volksmission in Geislingen. Im November beginnt er dort offiziell seine Ausbildung zum Pastor. Isaac Liu ist 23 Jahre alt, selbstbewusst, fröhlich und kontaktfreudig. Wer mit ihm spricht, spürt, wie wichtig ihm sein Glaube ist. Er hat den Wunsch, dass Menschen Gott als Vater kennen lernen und eine Beziehung zu ihm aufbauen, deshalb hat er sich für diesen Beruf entschieden.
Doch das war nicht schon immer klar - im Gegenteil! "Gott führte mich auf abenteuerlichen und verschlungenen Wegen zu diesem Ziel, obwohl ich mich lange Zeit heftig dagegen wehrte", sagt Isaac.
Isaacs Mutter war im siebten Monat mit ihm schwanger, der Vater zum ersten Mal im Gefängnis, als die chinesische Polizei sich mit Gewalt Eintritt ins Haus verschaffte und befahl, dass das Baby abgetrieben werden müsse, weil der Vater einer "verbotenen Kirche" angehöre. Der Abtreibungstermin war auf zwei Tage später angesetzt, doch in der Nacht davor setzten die Wehen zwei Monate zu früh ein, Isaac wurde ohne Komplikationen geboren. Seinen Vater sah er zum ersten Mal, als er fünf Jahre alt war und es dauerte eine Weile, bis die beiden eine enge Beziehung zueinander aufbauen konnten.
Doch durch seine Großmutter, die eine leidenschaftliche Christin war und ihn schon als Kleinkind auf dem Rücken zu christlichen Versammlungen geschleppt hatte sowie durch die Erziehung seiner Mutter hatte er Gott als seinen "himmlischen Vater" kennen gelernt, was ihm half, seinem richtigen Vater näher zu kommen.
Im Alter von acht Jahren wurde der Junge mitten im Winter nachts in einem eiskalten Fluss getauft, weil es in dieser Zeit am ungefährlichsten war. Gemeinsam mit etwa 30 oder 40 anderen Menschen hatte er die Entscheidung für eine Nachfolge Jesu getroffen. Auf Anraten seines Vaters lernte er einen Großteil der Bibel auswendig und mit elf Jahren predigte er selbst bei einer christlichen Versammlung. Als plötzlich die Polizei mit einer Razzia das Treffen sprengte und wissen wollte, wer gepredigt hatte, schickte sie ihn vorher raus mit den Worten "Geh raus zu Mama". Keiner der offiziellen Beamten glaubte, dass ein Kind bereits predigen konnte.
Isaac war gerade zwölf, als sein Vater zum dritten Mal verhaftet wurde und auch die Mutter ins Gefängnis kam. Zwei Jahre lebte der Junge mit seiner sechsjährigen Schwester jetzt mehr oder weniger auf der Straße und suchte in Müllhalden nach Verwertbarem, um es zu verkaufen und sich und seiner Schwester dafür Essen zu besorgen. In dieser Zeit wurde sein Glaube hart auf die Probe gestellt, oft "habe er Gott gehasst", gibt der junge Mann heute zu.
Nachdem seine Mutter aus dem Gefängnis entlassen wurde, flüchtete die Familie - ohne den Vater, der inzwischen auf spektakuläre Weise aus dem Gefängnis geflohen und nach Deutschland ausgereist war - nach Burma. Dort in Burma lebte Isaac zwei Jahre lang. Um dem Vater nachzureisen, mussten die drei aber erst nach Thailand kommen, wo das internationale "Aktionskomitee für verfolgte Christen" (AVC) für deutsche Pässe gesorgt hatte. Erst reiste der inzwischen 16-jährige Junge aus, doch bevor die Mutter und Schwester auf demselben Weg folgen konnten, brach in dieser Gegend ein Krieg zwischen Thailand und Burma aus.
Mitten durch Gewehrfeuer hindurch und mit einem kleinen Boot erreichte der Jugendliche am "Goldenen Dreieck" Thailand, wo er noch am Ufer des Flusses seinen Pass ausgehändigt bekam. Seiner Familie begegnete er in Bangkok wieder, Mutter und Schwester waren in der Zwischenzeit ebenfalls in Lebensgefahr nächtelang barfuß durch den Dschungel geflüchtet und hatten geschafft, was eigentlich als unmöglich galt.
Seit 2001 lebt Isaac in Deutschland. Wegen seiner Erlebnisse und der Folter, die der Vater wegen seines Glaubens durchgemacht hat, wollte er Kaufmann werden, und auf keinen Fall Pastor. Doch Gott, so Isaac, wollte es anders und führte ihn über ein Theologiestudium auf dem Theologischen Seminar in Beröa - obwohl er nur einen Hauptschulabschluss hat - zur Volksmission nach Geislingen. Isaac hat erkannt: "Gottes Wege sind unergründlich..."
Erscheinungsdatum: Samstag 14.07.2007
Quelle: http://www.suedwest-aktiv.de/
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