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Ein Mann Der Visionen

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Geislinger Zeitung

Autor: CLAUDIA BURST | 07.03.2010

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Ein Mann der Visionen

Geislingen. Bernhard Röckle ist ein Mann mit Visionen. Der Pastor der Geislinger Freikirche "Volksmission" baut sein ganzes Leben und seine Berufung auf das Fundament "Jesus Christus".


Bernhard Röckle - engagierter Christ und Pastor
bei der Volksmission. Foto: cb

"Ich bin überzeugt, dass ich genau da stehe, wo Gott mich haben will", sagt Bernhard Röckle und fügt hinzu: "darum bereue ich keinen einzigen Tag in meinem Leben!"

Bernhard Röckle ist seit 22 Jahren Pastor "aus Berufung" der Geislinger Volksmission, einer Freikirche, die die Bibel als "Gottes Wort" im Mittelpunkt ihrer Gemeindearbeit sieht. In den vergangenen Jahren rückte die Volksmission durch ihren Einsatz für Bedürftige oder Randgruppen aller Art immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit - gelebtes Christentum, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das ist dem Einsatz vieler engagierter Christen in der Volksmission zu verdanken, allen voran dem Pastor, der für manche fast revolutionäre Ansichten vertritt.

"Bei uns sollen auch solche Menschen eine Heimat finden, die sonst weder in der Kirche noch in der Gesellschaft willkommen sind", erinnert der 48-Jährige an die Vorgaben Jesu, der auch den Kontakt zu "Sündern und Zöllnern" gesucht hatte. Das verwirklichte der Pastor schon während seiner Anfangszeit in der Geislinger Gemeinde, als plötzlich die "jungen Wilden" - Langhaarige mit Tätowierungen, Messern im Hosenbund und Drogenerfahrung" - auf der Suche nach "Erlösung" auftauchten und tatsächlich in die damalige Mini-Gemeinde integriert werden konnten. Das geschieht noch heute, unter anderem bei dem allwöchentlichen Frühstück, zu dem neuerdings manchmal über 150 Menschen auftauchen, die andere überheblich als "asozial" bezeichnen würden. Manche dieser Besucher besuchen inzwischen auch den Gottesdienst oder einige der Gruppen und Kreise der Volksmission und haben sich sogar taufen lassen. Doch Bernhard Röckle geht noch weiter. Erst vor Kurzem schockte er manche seiner "Schäfchen" mit der Feststellung, dass er auch "Homos, die Hand in Hand hier auftauchen", willkommen hieße.

Der gebürtige Leonberger weiß, wie man sich als Außenseiter fühlt. Als Kind und Jugendlicher fand er kaum Anschluss, war schüchtern und kämpfte mit starken Minderwertigkeitsgefühlen. Aus diesem Grund begann er irgendwann mit Tischtennisspielen, später mit Schach - und weil er alles, was er anfängt, mit Ehrgeiz und "von ganzem Herzen" durchzieht, bekam er die ersehnte Anerkennung erstmals in diesen beiden Sportarten. Nicht jedoch in der christlichen Jugendgruppe, in der er als Jugendlicher ebenfalls um Bestätigung und Integration kämpfte, aber sich nie akzeptiert fühlte.

Heute sieht der Seelsorger diese schwere Zeit als sinnvolle Schulung durch seinen Herrn. Denn erstens lernte er, wie er sagt, sich allein auf Jesus zu verlassen, weil "dessen Bodenpersonal oft schwierig ist." Und zweites wurde sein Blick für solche Menschen geschärft, denen es ähnlich geht, wie ihm damals.

Allerdings dauerte es noch einige Zeit, bevor dem gelernten Bankkaufmann mit dem souveränen Abschluss klar wurde, wo Gott ihn haben will. Erst ein Lendenwirbelanbruch nach einem Unfall bei einer waghalsigen Kletterübung am Fels brachte ihn zur Besinnung. Im Krankenhaus erkannte er, dass er "Gott mit seinem Leben dienen will".

In der Folge besuchte Bernhard Röckle das dreijährige theologische Seminar in einer Bibelschule in England - dem er 13 Jahre später noch ein "Magister" anhängte. Endlich durfte der leidenschaftliche Christ beginnen, "mit Menschen zu arbeiten". Es verschlug ihn, nein, Gott brachte ihn zum zweijährigen Praktikum nach Geislingen - wo gerade mal 20 oder 30 ältere Mitglieder die Volksmissions-Gemeinde bildete. Um hier fast unentgeltlich wirken zu können, musste Röckle arbeiten gehen. Von 6 bis 12.30 Uhr bei Strassacker in Süßen "Madonnen und Grabbeschriftungen polieren", nachmittags bis in die Nacht Einsatz für und in der Gemeinde.

Das Gebet hielt ihn aufrecht - er sehnte sich danach, Wunder zu erleben, wie sie im Neuen Testament überliefert sind. Das erste Schlüsselerlebnis ließ nicht lange auf sich warten: ein Kind mit Herzfehler, für das im Gottesdienst gebetet worden war, war plötzlich auf "unerklärliche Weise" gesund.

Seinen Glauben will der seit bald 22 Jahren verheiratete Familienvater weder seinen beiden Kindern noch sonst jemandem "überstülpen". Lieber will er andere Menschen an seiner Begeisterung und seinen persönlichen Erfahrungen teilhaben lassen. Aus diesem Grund ist auch sein "Leitungsstil" in der Gemeinde eher liberal. "Denn jeder", davon ist Bernhard Röckle überzeugt, "muss seinen eigenen Weg finden".

Der feinfühlige Seelsorger mit den blitzenden Augen und der fröhlichen Lücke zwischen den Schneidezähnen, die beim häufigen Lächeln zu sehen ist, löst Probleme, die es "zwischen Menschen natürlich immer und überall gibt", am liebsten im direkten Gespräch. Da geht der ehemalige Vorsitzende der Evangelischen Allianz in Geislingen auch unangenehmen Konfrontationen nicht aus dem Weg, was ihm im Kreis der Mitchristen in Geislingen im Lauf der Jahre viele Sympathien und Achtung eingebracht hat.

Auch sein Draht zur Jugend glüht in hellsten Farben: Der Pastor mit der Gabe zum "Schnelllesen" hält Kontakte zu über 600 "Freunden", die mit ihm auf der Internet-Plattform Facebook "chatten", ihn dort aber auch um Rat fragen oder seine Hilfe in Anspruch nehmen.

Dass er dadurch selbst "transparent" wird, weiß er, das stört ihn aber nicht. "Ich hab nichts zu verbergen", lacht er, "wer ehrlich vor Gott ist, ist auch ehrlich vor den Menschen".

Wenn man diese Aussage jemandem absolut abnimmt, dann Bernhard Röckle.

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